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Buttons sind Verben

Über die kleinsten Texte in einer Oberfläche. Warum ich "OK" verbannt habe, warum eins meiner Produkte null Ausrufezeichen erlaubt und das andere dich anfeuert, und warum jede Fehlermeldung genau einen Satz und eine Lösung bekommt.

Buttons sind Verben

Im Design-Regelbuch von meetre steht ein Satz, den ich wahrscheinlich öfter verteidigt habe als jede Farbe und jeden Radius: Verben auf Buttons, nie "OK", wenn ein Verb passt. Der Aufnahme-Button heißt Record. Der Stopp-Button heißt Stop. Der Button, der die Zusammenfassung eines Meetings neu schreibt, heißt Summarize again. Nicht "Regenerieren", nicht "Erneut versuchen" und erst recht kein Kreispfeil, über den du erst hovern musst, um zu verstehen, was er tut.

Klingt pingelig, bis du mal jemandem beim Benutzen eines Dialogs zuschaust. Die Frage liest kaum einer. Gelesen werden die Buttons. Stehen da "OK" und "Abbrechen", musst du hoch zur Frage, rausfinden, welches der beiden Ergebnisse "OK" eigentlich bedeutet, und hoffen, dass du richtig geraten hast. Stehen da "Not now" und "Record", weißt du schon, was passiert. Die Frage wird fast überflüssig.

Ein Button-Text ist ein Versprechen, was als Nächstes passiert. "OK" verspricht gar nichts.

Kleine Regeln, die sich summieren

Die meisten meiner Regeln für Microcopy sind einzeln total unspektakulär. Zusammen machen sie aber den Unterschied zwischen einer App, die durchdacht wirkt, und einer, die zusammengesteckt wirkt.

Normale Satzschreibung überall. Im Englischen heißt das "Open library" statt "Open Library". Wenn jedes Wort groß anfängt, ruft jedes Label ein bisschen, und in einer dichten Oberfläche fühlt sich das an wie ein Raum voller Leute, die alle etwas zu laut reden.

Der Name wird immer kleingeschrieben. meetre heißt meetre, auch am Satzanfang in der App. Das hat mich ungefähr einen Tag gestört, dann war es die Marke. Ein kleingeschriebener Name liest sich ruhiger, und Ruhe ist genau der Punkt bei einem Tool, das neben deinen Meetings sitzt.

Nie zwei Sprachen in einem Bedienelement. Die Oberfläche von meetre ist englisch mit deutscher Lokalisierung, der Meeting-Inhalt folgt der Sprache des Meetings. Was du nie sehen wirst: ein deutsches Label mit englischem Tooltip oder "Speichern" neben "Cancel". Das passiert in halb übersetzten Apps ständig, und sofort fühlt sich die Software billig an.

Zwei Produkte, zwei Stimmen

Jetzt wird es lustig. Ich habe dieses Jahr zwei Menüleisten-Apps gebaut, und beim Ton haben sie fast gegensätzliche Regeln.

meetre spricht "ruhig, kurz, konkret". Keine Ausrufezeichen in der gesamten Oberfläche. Keine Emojis in der Bedienung (in deinem eigenen Meeting-Inhalt sind sie erlaubt, der gehört ja dir). Das Onboarding ist eine kurze Zeile pro Szene: "Hi." Dann "It listens." Dann "It writes it down." Dann "And it stays on this Mac." Beim Modell-Download steht einfach "Downloading the brain". Du vertraust diesem Tool private Gespräche an, also redet es wie jemand, dem du private Gespräche anvertrauen würdest.

TaskAlarm macht bewusst das Gegenteil. Der Claim ist "The to-do list that cheers you on", und im Copy-Guide steht, man soll schreiben wie ein Freund, der dir unterstützend eine Nachricht schickt. Wenn was fällig ist, sagt die Karte "It's time!", mit echtem Ausrufezeichen. Drückst du auf Done, fragt sie "Is it really done?". Die Markendatei erlaubt sogar ab und zu ein Emoji, mit einer harten Grenze von einem pro Nachricht.

Im Guide gibt es eine kleine Tabelle mit zwei Spalten, die ich ziemlich mag. Links, was TaskAlarm sagt. Rechts, was es sagen würde, wenn eine Bank den Text geschrieben hätte:

  • "It's time!" statt "ALERT: Task due"
  • "Is it really done?" statt "Confirm completion"
  • "All done. Go enjoy your day" statt "No remaining tasks."

Keine der beiden Stimmen ist grundsätzlich richtig. Jede ist richtig für ihren Job. Die eine App nimmt deine Meetings auf und soll sich raushalten. Die andere existiert, um dich vom Sofa zu kriegen, und eine To-do-Liste, die klingt wie die Compliance-Abteilung, hat noch nie jemanden vom Sofa gekriegt.

Leere Zustände und Fehler: von allem genau eins

Ein leerer Zustand ist bei meetre ein Rezept: ein Symbol, ein Satz, ein Button. Hast du noch nie etwas aufgenommen, sagt die Bibliothek "No meetings yet." und bietet dir einen Button mit Record an. Fertig. Keine Illustration von einem traurigen Ordner, keine drei Absätze darüber, was du hier alles Tolles machen könntest. Du siehst einen leeren Bildschirm, weil du die eine Sache noch nicht gemacht hast, also gibt dir der Bildschirm die eine Sache.

Fehler haben dieselbe Form. Ein Banner oben in der Ansicht, die kaputt ist, ein Satz, was passiert ist, ein Button, der es behebt. Alerts, also die modalen Fenster, die alles blockieren, gibt es nur zum Bestätigen von Dingen, die man nicht rückgängig machen will, etwa ein Meeting in den Papierkorb zu legen. Mit einem modalen Alert mitzuteilen, dass der Modell-Download fehlgeschlagen ist, wäre so, als würdest du jemanden auf der Straße anhalten, um ihm zu sagen, dass es vielleicht regnet.

Am strengsten ist das beim Onboarding. Schlägt die Einrichtung fehl, kriegst du einen Satz, die letzte Zeile des echten Fehlers und "Try again". Nie das ganze Log. Das liegt in den Einstellungen hinter "Copy error log" und kopiert Versionen, Einstellungen und Fehler, aber nie deine Transkripte. Wer debuggen will, kann. Wer nicht will, wird nicht von einer Wand aus Python erschlagen.

Eine meetre-Abfrage, ob ein erkannter Teams-Call aufgenommen werden soll, mit den Buttons Not now und Record

Deutsch ist keine Übersetzungsschicht

Beide Apps behandeln Deutsch als vollwertige Sprache. Das sagt sich leicht und ist nervig umzusetzen. In TaskAlarm kannst du "Zahnarzt morgen um 10 Uhr" ins Eingabefeld tippen, und es versteht eine Aufgabe namens Zahnarzt, morgen um zehn. "Sport jeden Montag 18 Uhr" wird zur wöchentlichen Wiederholung. Der Parser kennt "werktags", "jeden Abend" und "alle 3 Wochen" genauso wie die englischen Varianten, weil niemand die Sprache wechselt, nur um sich an was erinnern zu lassen.

meetre macht dasselbe bei den Sprecher-Labels. In einem deutschen Meeting bist du "Ich", in einem englischen "Me", Leute bei dir im Raum heißen "Vor Ort 1" oder "Local 1". Kleinigkeit. Aber ein Transkript von einem deutschen Meeting, das dich plötzlich "Me" nennt, liest sich, als hätte es jemand anderes geschrieben.

Ich sitze wochenlang an den großen Sachen in diesen Apps: Transkription, Alarm-Logik, Sounddesign. Und worauf mich die Leute dann ansprechen, ist, dass der Button gesagt hat, was er tun wird.